Die zentrale Institution in unserem Euro-Geldsystem ist die EZB (Europäische Zentralbank). Sie ist der „Hersteller“ des Geldes, der Eigentümer des Euro. Sie entscheidet und bestimmt zu 100% über den Wert, den der Euro in der Welt hat. Das geschieht durch Aufkauf oder Verkauf von Fremdwährungen und durch Veränderung der Geldmenge und des Zinsniveaus.

Wie kommt dieses Geld (der Euro) in Umlauf, in unsere Portemonnaies oder auf unsere Konten?

Ausschließlich über Banken. Die EZB gibt dieses Geld ausschließlich über Banken in Umlauf. Da alle Banken Geld nur als Kredite herausgeben, muss zwangsläufig jeder Euro Guthaben bzw. jeder Euro Bargeld irgendwo als Darlehen existieren!

Da auf Kredite gewöhnlich Zinsen bezahlt werden müssen, bedeutet dies ebenfalls, dass die Gesamtsumme aller Darlehen bei gleichbleibender Guthaben-Geld-Menge jedes Jahr um den zu zahlenden Darlehens-Zins steigen muss.

Geschieht dies nicht, schrumpft die Geldmenge, was ein Schrumpfen des Konsums und der Wirtschaft zur Folge hätte. Wenn aus Guthaben „entschuldet“ (gespart) wird, reduziert sich die zur Verfügung stehende Geldmenge und damit das zur Verfügung stehende Geld.

Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Geldmenge

Führt man diesen Gedanken weiter, wird man feststellen, dass Guthaben auf der einen Seite, zwangsläufig Kredit auf der anderen Seite bedeutet.

Da unser aktuelles Geld-System 1948 mit der Einführung der D- Mark „gestartet“ wurde und seitdem jährlich die Zinsen als zusätzliche Darlehenssumme hinzugefügt werden, beträgt inzwischen die Summe aller Schulden ein Vielfaches der Summe aller Guthaben (man schätzt das 10-15 Fache).

Dies bedeutet im Klartext: Streicht man 1/5 aller Kredite (Entschuldung der Staaten um 20%) sind alle Guthaben erloschen!
Spätestens jetzt verstehen Sie, warum wir in Europa um die so genannte Bankenrettung nicht herum kommen. Würde auch nur eine einzige Bank in Deutschland insolvent, wären die dann fälligen Kreditsummen so enorm hoch, dass anschließend alle Guthaben und Barvermögen erloschen sind.

Die Summe der Verbindlichkeiten der 10 größten deutschen Banken beläuft sich im Moment auf über 4.500 Mrd. € – mehr als die Bar- und Giro-Vermögen aller BRD-Bürger zusammen. Stellen Sie sich vor, Politiker würden offiziell diese Fakten ansprechen, innerhalb von wenigen Stunden wäre an keinem Geldautomat dieses Landes auch nur noch 1€ verfügbar!

Gibt es eine Lösung?

Die Schwierigkeit ist, es gibt keinen Ausweg aus diesem Dilemma. Außer, die Schulden werden weiter fortgeschrieben. Die EZB vergibt an Mitgliedsländer des EURO zinsgünstige Darlehen, welche nie getilgt werden müssen (wie bisher). Diese Länder könnten dann wieder in ihre Wirtschaft investieren und es wäre genügend Geld im Umlauf. Zinsen werden weiterhin nur „symbolisch“ bezahlt, da diese als neue Schulden weiter zu den alten addiert werden.

Gibt es noch eine andere Möglichkeit?

Eine zweite Möglichkeit ist es, Geld von der EZB in Unternehmen zu investieren (durch Fördermittel) und somit über den produktiven Sektor Geld in Umlauf zu bringen, welches damit letztendlich zur Tilgung von Schulden dient.

Was bedeutet das für uns alle?

Wenn unsere Politiker vorschlagen die Schulden in Europa abzubauen und diese zu tilgen (was bei einem Privathaushalt absolut sinnvoll wäre), dann sind nach Verbrauch aller Barvermögen nur 1/5 oder 1/10 der Schulden bezahlt.

Vergessen Sie niemals den Zusammenhang zwischen Schulden und Guthaben. Wenn wir Griechenland 100 Mrd. € Schulden erlassen, löschen wir im selben Augenblick 100 Mrd. € Guthaben aus!

 

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One Thought on “Wie funktioniert unser Geldsystem wirklich?

  1. Ein paar weiterführende Links:

    Hier mein Favorit: Der Fehler in unserem Geldsystem

    Geld aus Schulden. Einführungskurs in unser Geldsystem hier

    Wer es kurz und bündig mag hier

    NDR über Geldschöpfung aus dem NICHTS hier Hörmann, Müller, Rößler, Waigel

    3 Professoren zum Geldsystem hier

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